Das Unbekannte macht uns Angst. Sich hinter einem durchsichtigen Vorhang zu verstecken, unter dem unsere Füße hervorschauen, wird uns nicht retten.
Ja, ich spreche vom Tod. Nicht nur vom Tod des Körpers.
Vom Tod unserer Eltern, die älter werden und deren Zerbrechlichkeit uns plötzlich an unsere eigene erinnert. Vom Tod der Beziehung, die wir verlassen — oder längst hätten verlassen sollen. Vom Tod der Arbeit, die nicht mehr zu uns passt. Von grau werdenden Haaren. Von Kindern, die erwachsen werden und uns nicht mehr so brauchen wie früher. Von vollen Kellern voller Erinnerungen, an denen wir festhalten, weil loszulassen bedeuten würde zuzugeben, dass dieses Leben vorbei ist.
All diese Abschiede, mehr oder weniger erschütternd:
dieser Kranz aus gelben Blumen, den meine Mutter im Feld vergaß.
Die Augen meiner Mutter, die sich ein letztes Mal schlossen, nachdem sie mir mit ihrem Blick Lebewohl gesagt hatte.
Es war im Januar 2009, vierzehn Uhr. Ich war da, am Rand des Bettes, ohne recht zu wissen, was zu tun war. Wartend. Meine Tante sagte: „Es wird gut." Niemand wusste, wie man einfach da bleibt. Ohne zu reparieren.
Meine Mutter und ich haben nie über den Tod gesprochen. Und genau dieses Schweigen hat alles verändert.

Unterwegs bin ich Künstlerinnen und Künstlern, Schriftstellern, Vereinen begegnet — Frauen und Männern, die die Vergänglichkeit erlebt haben und sie auf ihre Weise teilen.
Gibt es ein Leben nach dem Tod? Welche Spur hinterlassen wir? Wie lebt man nach dem Verlust eines Kindes weiter? Und wenn sich unser Körper wandelt wie ihn ehren, akzeptieren, annehmen?
